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Ein Dachstuhl für Südkorea
Exotisch: Zimmerei Dopheide fertigt Holzkonstruktion für asiatischen Kunden
Der Anruf eines Bauherren kam für Thomas Dopheide, Inhaber der gleichnamigen Zimmerei, ziemlich überraschend. Ob er Interesse habe, für eine südkoreanische Baufirma einen Dachstuhl zu fertigen, lautete die ungewöhnliche Anfrage.
"Ich habe erstmal um ein Gespräch gebeten, um nähere Details auszuloten", erklärt Thomas Dopheide lachend. Es zeigte sich, dass das Interesse des Koreaners durchaus ernster Natur war. Der Zimmermeister erfuhr, dass sich Jin Chong Kil mit seinem Unternehmen EuroBau in Südkorea auf die Errichtung von Gebäuden nach europäischem Standard spezialisiert hat - und daher in Deutschland auf der Suche nach Handwerkern ist, die ihm diesen Stanrd garantieren können.
"Zum einen hat sich bis nach Asien rumgesprochen, dass das deutsche Handwerk zu den besten weltweit gehört. Zum anderen kennen die Koreaner kein Handwerkswesen wie bei uns", weiß Dopheide. "Wenn bei denen der Wasserhahn tropft, rufen die einen Arbeiter und keinen Klempner."
Der Inhaber der südkoreanischen Firma, Jin Chong Kil, ließ es sich nicht nehmen, persönlich nach dem Fortschritt der Arbeiten an seinem Dachstuhl zu schauen. Mehrmals war der Koreaner in Warendorf zu Gast - stets mit dabei seine Söhne, die in Deutschland studieren und als Dolmetsche funtierten.
Die Zusammenarbeit mit dem asiatischen Kunden empfindet Thomas Dopheide dabei durchaus als angenehm: "Die Mentalitäten sind zwar sehr unterschiedlich, aber die Koreaner sind zuvorkommend und vor allem flexibel. Eine Änderung in der Planung wurde beispielsweise gleich über Nacht erledigt."
Nach der heißen Phase während der vergangenen sechs Wochen wurde die Holzkonstruktion gestern in einen zwölf Meter langen Container verladen. Per Lkw geht es nach Hamburg und von dort auf ein Schiff, das gegen Ende August in Korea anlegen wird. Zusammen mit sieben anderen Containern. Denn Jin Chong Kil hat auch gleih die Baustoffe für das Haus in Warendorf geordert. Bis auf den Stahl und den Beton gehen sämtliche Materialien - Dachpfannen, Steine und sogar die Werkzeuge - von Deutschland aus auf die Reise.
Der Dachstuhl aus der Zimmerei Dopheide wird auf einem Rohbau in Pusan am südöstlichen Ende der koreanischen Halbinsel montiert. "Den Aufbau übernehmen Arbeiter vor Ort. Wir haben alle Bauteile und die Pläne mit Zahlen versehen, beim Aufbau kann also nichts schiefgehen. Und falls doch, leisten wir Unterstützung via E-Mail", erläutert Dopheide augenzwinkernd das weitere Vorgehen.
Bis das sauerländische Holz, aus dem der Dachstuhl gefertigt ist, in den Container verladen werden konnte, kamen jede Menge Formalitäten auf den Handwerker zu. "Das fängt bei der Behandlung des Baustoffs an und hört bei den Vorgaben des Zolls auf", erklärt der Zimmermeister das Prozedere. Eine große Hilfe waren ihm dabei die Handwerkskammer in Münster und das Finanzamt - eine Rechnung nach Asien stellt man schließllich nicht jeden Tag.




